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Deiktische Konflikte Zu den tierischen Arbeiten von Christoph Mause
Ausstellungsraum der Abtei Königsmünster, Meschede, 1. Oktober 2006 - 26. November 2006
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Hammer, 2006
Känguru, 1992 |
Christoph Mause zeigt Tiere in Schwierigkeiten. Kunststück, sie bewegen sich auf riskantem Terrain. Sie werden Akteure in einem künstlerischen Geschehen, welches banale Alltagsgegenstände: Hammer, Glühbirne, Warndreieck, Bretter, Seile in unbekannte Konstellationen versetzt. Die Tiere sind dabei die entscheidenden Protagonisten. Sie geraten in Konflikte mit den Dingen, die den Betrachter schmunzeln lassen. Mauses Humor spekuliert dabei auf eine gewisse Schadenfreude, gleichwohl verstrickt er seine Geschöpfe nicht in vordergründige Slapstick-Anekdoten. Wenn das Känguru über die Holzkisten hüpft, wird es sehr wahrscheinlich nicht die Papiertüte bemerken, die sich in den Parcours geschlichen hat. Wenn das Nilpferd seine sensible Position auf den Tennisbällen verändert, wird es wohl auf die Schnauze fallen. Die Fallen der Installationen von Mause sind noch nicht zugeschnappt, der Betrachter antizipiert, was kommen mag, es ist seine eigene Phantasie, die aus dem ruhenden Bild ein dramatisches Geschehen werden lässt.
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400 Kugeln, 1992
Mausefallen, 1992 |
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Die ungewohnten Begegnungen von Tier und Ding zünden jenen „poetischen Funken“, den im 19. Jh. der französische Dichter Lautréamont durch die zufällige Begegnung einer Nähmaschine mit einem Regenschirm auf einem Operationstisch ausgelöst sah. Dieses Bild wurde zu einer Inspiration für den Surrealismus. Während dieser durch absurde Verbindungen und Verfremdungen von Dingen in eine Welt der Halluzination und des Traumes hineinführen wollte, mit dem Ziel der Entgrenzung unseres beschränkten Verständnisses von Realität, haben Mauses Erzählungen von Tier und Ding nichts mit Entführungen in traumatische Regionen zu tun. Im Gegenteil vollführen die Tiere unfreiwillig, aber vom Künstler gewollt, deiktische Akte. Dies sind der griechischen Tradition nach hinweisende, die Augen öffnende Gesten. Die missliche oder riskante Lage, in die sich die mit Modelliermasse und Farbschichten gestalteten Tierfiguren begeben, zeigt jederzeit etwas auf, was mit den plastischen Qualitäten der jeweiligen Dinge zu tun hat. Dabei lassen sich zwei Gegenstandsbezüge unterscheiden. Zum einen sind es Alltagsgegenstände, die auftreten, zum anderen elementare geometrische Formen in Gestalt von gelegentlich farbigen Hölzern, die Flächen oder Kuben bilden, oder von Seilen, Drähten oder Stangen, die Linien in den Raum zeichnen. Christoph Mause entwickelt auf diese Weise Bezüge zu zwei unterschiedlichen Erscheinungsformen der modernen Plastik: der Objektkunst sowie der Minimal Art, welche plastische Kräfte in einfachen geometrischen Konstruktionen anschaulich macht.
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Fünf Besen, 2006
Vier Maulwürfe, 1993
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In jedem Fall wird der Blick des Betrachters nach dem ersten Erfassen der Geschichte, die sich vor seinen Augen abspielt, auf subtilere Bereiche der Konstellation gelenkt. Die Begegnungen von Tieren und Dingen in Mauses Arbeiten thematisieren genuine Aspekte der Plastik: Dynamik und Spannung, Volumen und Proportion, Oberfläche und Material, Form und Bedeutung. Sie offenbaren Eigenschaften von Gegenständen, die wir an diesen gewöhnlich übersehen: der Besen als räumliches Objekt, bestehend aus einer Fläche und Linien unterschiedlicher Qualität und Anordnung. Dieses Objekt offenbart Ähnlichkeiten zu einem Vogel mit langem Schnabel, der davor hockt und selbst plötzlich, in seinem Verhältnis von Schnabel und Gefieder, etwas von einem Mob bekommt. Die Gestalt des Vogels sagt etwas über die Gestalt des Besens, diese wiederum etwas über diejenige des Vogels. Die vier Maulwürfe wiederum, die vier im Quadrat zueinander angeordnete, nach hinten kippende Bretter erklimmen und dabei das prekäre Gleichgewicht der abenteuerlichen Konstruktion durch ein gespanntes Seil in ihren Pfoten halten, verweisen auf die Druck- und Zugkräfte, die die Spannung der Plastik im Raum ausmachen. Andererseits verweist dieses riskante Gebilde aus Flächen und Linien wiederum auf die Maulwürfe, auf ihr für ihre üblicherweise unterirdischen Verhältnisse geradezu widernatürliches Verhalten, das überdies den Betrachter rätseln lässt, wie sie denn dieses Kletterkunststück gegen die Gesetze der Schwerkraft überhaupt hinbekommen haben.
In ihrer Begegnung werden die Tiere und die Dinge fremd. Aber erst in der Verfremdung offenbaren sie übersehene Eigenschaften. Die Abenteuer, in die Christoph Mause Tiere und Gegenstände schickt, sind auf diese Weise zugleich Lektionen, die von verborgenen ästhetischen Qualitäten unserer Alltagswelt berichten. |
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Carl-Peter Buschkühle
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(Katalogtext aus: Christoph Mause: Tiergeflüster. Objekte, Malerei, Zeichnungen. Ausstellungsraum der Abtei Königsmünster, Meschede. Druck: C-Design, Belecke, 2006) |
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